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PotitimeStories

Autor: Anna | Datum: 05 Dezember 2013, 20:08 | 4 Kommentare

Wie die Zeit dahin schleicht – diesmal kam mir mein erster Rundbrief und die gesamte Weihnachtspost dazwischen (ganz zu schweigen von all den mehr oder weniger alltäglichen Erlebnissen) ...

Jetzt kann ich aber mit afrikanischer Pünktlichkeit meine PotitimeStories präsentieren!

Seit nun über einem Monat arbeite ich jetzt bei den Wakubwa (den Einjährigen). Für alle, die meinen Rundbrief nicht erhalten haben: Die Arbeit macht mir viel Freude, wenn sie auch im Vergleich zu den Kleineren anstrengender ist. Ich möchte euch hier ein wenig Einblick in meinen Alltag geben (es mag sich für RB-Empfänger manches vertraut anhören)!

Einjährig – d.h. die Racker können alle schon sitzen, selbstständig Uji-Becher halten und SPIELEN mit allem, was die direkte Umgebung so hergibt. Da Kinder vom 2. Zum 3. Lebensjahr eine rasante Entwicklung zurücklegen, lassen sich die Wakubwa noch einmal in Jüngere und Ältere einteilen:

Die Jüngeren sind noch sehr an den Ort gebunden, an dem man sie einmal hingesetzt hat. Manche fangen schon an sich über den Boden zu ziehen (Benoni) oder im Sitzen durch Beinbewegungen vorwärts zu kommen (Tumsime/Sharifu), aber alles in allem lässt sich ihr Radius leicht überwachen.

 

 

Die Älteren sind schon um einiges mobiler: Sie können krabbeln, stehen, im Affentempo (diesen Vergleich kann ich jetzt auch live beurteilen J) durch Hopsen in Sitzen fortbewegen und manche können schon laufen oder lernen es gerade. Ich glaube nur die Eltern (oder meine Vorgängerinnen) unter Euch können nachvollziehen, welch unglaublich schönes Gefühl es ist, wenn ein Kind seine ersten wackeligen Schrittchen in meine Arme macht!

Durch diese Mobilität heißt „Spielen mit den Kindern“ nicht mehr: „Ich setzte mich bewaffnet mit Rasseln und eventuell sogar Kiswahili-Lernsachen neben die Kinder und singe ihnen vor“ sondern „ich versuche möglichst alle Kinder gleichzeitig im Blick zu behalten und ihnen trotzdem die nun sehr viel differenziertere Aufmerksamkeit persönlich zukommen zu lassen“.

Im Klartext:

·         Die Kinder tragen während der Spielzeiten keine Stoffwindeln, da diese zwar ökologisch und preislich unschlagbar sind, aber bei erhöhter Aktivität auch sehr scheuern können. Unter Beachtung der Eigenschaft, das die Kinder mit ALLEM SPIELEN, was sich in ihrer erreichbaren Umgebung befindet, heißt es  also wie ein Schießhund aufzupassen, um eventuelle Seechen vor den Kindern zu entdecken, alle Kids im Umkreis möglichst weit weg zu befördern (einschließlich des Verursachers) und vor ihnen bewaffnet mit Lappen den Unglücksort wieder zu erreichen, um alles aufzuwischen und Hosen zu wechseln. Wenn jedes Kind im Schnitt zweimal während einer Spielezeit macht, dürft ihr dieses Prozedere um den Faktor 18 multiplizieren J

·         Die größeren Kinder sind schon sehr bestimmt, schnell und stark, während sie aber noch kein Einfühlvermögen besitzen.

Spielzeuge sind in einem gigantischem Ausmaß dank großzügiger Spenden aus Schweden, Dänemark und Deutschland vorhanden, aber dennoch sind natürlich die Spielzeuge in der Hand eines anderen Kindes (dessen Vorzüge ja gerade vorgeführt werden) am attraktivsten.

Es gilt also, die Raubzüge der Älteren vorherzusehen, um die Jüngeren zu schützen bzw. die Älteren mit anderen Dingen abzulenken.

Außerdem sind gerade alle Plastikspielzeuge beliebt, da man diese mit erstaunlichen Geräuschen gegen allesmögliche in der Umgebung schlagen kann. Wenn dann gerade ein Kollege neben einem sitzt...

·         Die Kinder erkennen einen wieder und entwickeln Vertrauen.

Es gibt für mich nichts Schöneres auf der Arbeit, als wenn ich morgens von den Kindern freudig begrüßt werde und sie auf mich zu krabbeln. Jedes Kind hat seine ganz eigene Persönlichkeit – mittlerweile weiß ich, wie ich wen zum Lachen bringen kann, wann ich Geschrei wirklich ernst nehmen muss, etc.

Heute wurde mir ganz schlagartig bewusst, welches Vertrauen ich genießen darf: Eine Frau hat die Kinder besucht (eine ehemalige Arbeiterin) und sie auf den Arm nehmen/spielen wollen. Viele fingen auf einmal an zu schreien/weinen und kamen auf mich zugekrabbelt  und kuschelten sich an meine Beine, um Schutz vor „der Fremden“ zu suchen.

Das ist jetzt sehr herzlos gegenüber unserem Gast, aber für mich war es einfach so schön zu sehen, dass es eine kleine Gruppe von Menschen hier in Tansania gibt, für die ich nicht die „fremde Weiße“ sondern die Mama bin.

Ein solches Vertrauen ist unglaublich schön, aber ich bin auch sehr dankbar, meine Verantwortung nach Arbeitsende abgeben zu können, da sie einfach zu groß für mich ist.

·         Die Kinder fangen an zu sprechen und alles nachzumachen.

Ich versuche mit den Kindern so viel wie nur möglich Kiswahili zu reden. Sie sollen sich an den klang gewöhnen bzw. selbst zum Sprechen motiviert werden. Leichte Worte wie „Mama“, „Baba“ (Vater), „Dada“ (Schwester), „Kaka“ (Bruder) sind für viele kein Problem. Süß wird es vor allem dann, wenn sie versuchen, den Wortlaut von z.B. „Karibu“ (Willkommen) nachzuahmen…

Das mit dem Nachahmen ist überhaupt so eine Sache… an meinem aller ersten Arbeitstag bei den Wakubwa, habe ich mich, als alle auf dem Poti (Pöttchen) saßen, erschöpft auf den Wickeltisch niedergelassen und gedankenverloren auf meinen Bauch als Trommel einen Rhythmus geklopft… ratet mal was die Älteren mit nackigem Bäuchlein (es ging kurz danach ans Marathonwaschen) gemacht haben – so ist mir zumindest der Gedanke an den Titel dieses Eintrags gekommen :D

Das Nachmachen erstreckt sich leider aber nicht nur auf das positive Vorbild meinerseits (^^). Beispiel: kommt einmal ein Kind auf die Idee, es könnte doch die langweilige PotiZeit spaßiger gestalten, wenn man nach und nach aufsteht, um die Anna zum Eingreifen zu provozieren, dann folgt der Rest natürlich begeistert diesem grandiosen Einfall…

 

Generell ist die Arbeit sehr spannend, da es faszinierend ist zu beobachten, wie die Kinder sich entwickeln bzw. was sie schon alles (nicht) können. Begeistert war ich z.B. wie sich die Älteren nach dem Essen im Spieleraum zielstrebig wie eine kleine Elefantenherde  selbstständig auf den Weg zu den Pöttchen im Nachbarraum machten. Und dort krabbelte dann jedes Kind genau auf das ihm angedachte, passende Pöttchen zu…

Danke an all diejenigen, die meiner Schreibwut bis hierhin gefolgt sind!! In nächster Zeit werde ich wohl wieder mehr Möglichkeiten finden, diesen Blog immer mal wieder in kleineren Portionen zu füttern J

Tutaonana (wir werden uns wiedersehen)!

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